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Gendern und SEO – passt das zusammen?

Kaum etwas ist aktuell so laut wie die Gender-Debatte – von absoluter Ablehnung und dem Ruf nach Verpflichtung ist jede Meinung vertreten. Aber es kommen auch viele Fragen auf: Ist es zeitgemäß, nur die männliche Form zu nutzen? Wie inklusiv muss Sprache sein? Kann Gendern aus SEO-Sicht funktionieren? Wie wichtig ist geschlechtergerechte Sprache für die Nutzerzufriedenheit?

Diesen Fragen gehen wir in diesem Blogbeitrag auf den Grund.

Was versteht man unter Gendern?
Man spricht dabei von der Nutzung geschlechtsgerechter Formulierungen. Bisher herrscht die männliche Form vor und wird allgemeingültig für alle genutzt. Damit jeder Mensch sprachlich eindeutig mit einbezogen wird, gibt es alternative Formulierungen. Gendern leitet sich dabei aus dem Englischen ab und bezieht sich nicht auf das biologische Geschlecht (Sex), sondern auf die Geschlechtsidentität/das soziale Geschlecht (Gender) einer Person.

Du kannst auf ganz unterschiedliche Weise gendern (weiter unten erfährst du mehr dazu). Beispielsweise mit Formulierungen, die die weibliche und die männliche Form beinhalten. Darüber hinaus gibt es aber auch noch eine dritte Geschlechtsoption: Seit 2019 ist "divers" rechtlich anerkannt und muss beispielsweise in Stellenanzeigen eindeutig inkludiert werden. Meist nutzen Unternehmen dafür den Zusatz (m/w/d). Aber auch in Fließtexten gibt es Gender-Formulierungen, die alle drei Optionen einschließen.

Welche sprachlichen Möglichkeiten gibt es?

Einige Unternehmen und auch öffentlich-rechtliche Medien bemühen sich, nicht ausschließlich das generische Maskulinum zu verwenden. Dabei nutzen sie ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Bevor wir auf das Zusammenspiel von Gendern und SEO eingehen, stellen wir dir hier kurz die gängigsten sprachlichen Möglichkeiten vor:

Die Paarform

Lehrerinnen und Lehrer oder Ärzte und Ärztinnen

Hier wird das weibliche und das männliche Geschlecht sprachlich berücksichtigt. Diese Art des Genderns hört man zurzeit häufig im Radio. Gerade in Schriftform kann das den Text allerdings sehr in die Länge ziehen und schwer leserlich machen.

Geschlechtsneutrale Formulierung

Lehrende oder Lehrpersonal

So lässt du das Geschlecht komplett außen vor. Das Finden der passenden Formulierung kann bei bestimmten Wörtern allerdings problematisch werden. Wie würdest du beispielsweise Arzt oder Ärztin vollkommen neutral formulieren? Arztpersonal? Untersuchende? Das kann im Lesefluss zum Stolpern führen und weit hergeholt klingen. Durch die lose Formulierung kann es sein, dass du bei längeren Texten ungewollt eine gewisse Distanz vermittelst.

Binnen-I oder Schrägstrich

LehrerInnen oder Lehrer/innen

Das Binnen-I gibt es schon sehr lang und auch die Schrägstrich-Version kennst du wahrscheinlich aus Briefen. Auch hier wird wieder die weibliche und männliche Form ein- und die diverse ausgeschlossen. Grundsätzlich unterscheidet sich das Vorgehen nicht von dem der nächsten Möglichkeit:

Sternchen, Doppelpunkt, Unterstrich

Lehrer*innen oder Lehrer:innen oder Lehrer_innen

Diese Formen stehen besonders in der Diskussion. Hauptkritikpunkt: Sie entstellen die Sprache und sind schwer leserlich. Tatsächlich funktionieren diese Schreibweisen ähnlich wie die mit Binnen-I oder Schrägstrich – inkludieren allerdings auch Menschen, die sich weder dem rein weiblichen, noch dem rein männlichen Spektrum zuordnen.

Es gibt ein Problem, das bei Binnen-I/Schrägstrich als auch bei Sternchen, Doppelpunkt und Unterstrich das gleiche ist: Nicht alle Wörter lassen sich auf diese Weise grammatikalisch korrekt gendern. Sowohl bei ÄrztIn oder Ärzt*in wird die männliche Form falsch verkürzt.

Mischformen

Lehrer und Krankenpflegerinnen, Texter*innen und Schreibende

Die Entscheidung fällt nicht leicht, deshalb werden häufig Mischformen genutzt. Du solltest aber darauf achten, dass dein Text nicht zu bunt wird und du nicht dauerhaft klischeehafte Formulierungen nutzt – etwa Ärzte und Krankenpflegerinnen, Direktoren und Erzieherinnen oder Rechtsanwälte und Sekretärinnen.

Suchverhalten und Ergebnisse bei Google

Fakt ist: Die meisten Suchanfragen werden in männlicher Form gestellt. Es wird demnach mehr nach Grafiker als nach Grafikerin gesucht und mehr nach Shopware-Entwickler als nach Shopware-Entwicklerin. Dabei spielt für die Suchenden in den meisten Fällen gar keine Rolle, welches Geschlecht die gesuchte Personengruppe hat. Das generische Maskulinum wird vor allem genutzt, weil es eben seit Jahren als gängige Formulierung für alle Personengruppen anerkannt ist.

Das spiegelt sich dementsprechend auch im Suchvolumen wider:

Suchanfragen für die männliche und weibliche Form des gleichen Wortes. (Stand: 20.10.2021)

Auch die Suchergebnisse unterscheiden sich: Während du über den Begriff Texter gleich 47.8000.000 Ergebnisse erhältst, sind es bei Texterin gerade einmal 619.000. (Stand: Oktober 2021)

Google scheint zwischen den beiden Formen demnach eine Unterscheidung vorzunehmen und sie eben nicht gleichzusetzen. Das bedeutet: Nutzt eine freiberufliche Texterin auf ihrer Website ausschließlich die weibliche Form, wird sie sehr wahrscheinlich nicht so einfach bei Google gefunden.

Es lässt sich also festhalten: Gesellschaftlich mag das generische Maskulinum alle Geschlechter gleichsetzen, die Suchmaschine erkennt diesen Zusammenhang aber offensichtlich nicht.

Bei alternativen Gender-Möglichkeiten sieht es ähnlich aus:

SEO-gerecht gendern: Suchvolumen für alternative Formen

Hinzu kommt, dass die Googles Crawler die entsprechenden Gender-Arten (noch) nicht als solche erkennt. Dein Ranking wird also auch davon beeinflusst, wie die Suchmaschine deine gewählte Möglichkeit wertet. Im Falle unseres Beispiels der Texter/Texterin/Texter*innen ... bedeutet das:

  • TexterIn: Google erkennt das Wort als weibliche Form.
  • Texter und Texterin: Deckt männliche und weibliche Suchanfragen ab.
  • Texter/in oder Texter*in: Wird meist eher als männliche Form erkannt, mit weniger, aber ebenfalls viel Suchvolumen.
  • Texter_in: Wertet Google als weibliche Form.
  • Textende: Hat leider eine ganz andere Bedeutung – nämlich das Ende eines Textes.

Gendern und SEO scheinen sich demnach nicht gut zu ergänzen. Die Suchmaschine unterscheidet zwischen Ergebnissen mit männlichen und weiblichen Formulierungen. Außerdem erkennt sie Gender-Sternchen und andere Symbole nur unzuverlässig. Wirklich SEO-gerecht ist eigentlich nur die Paarform. Wenn du kein komplett inklusives Schriftbild nutzen möchtest und dir die männliche und weibliche Ansprache genügt, solltest du darauf zurückgreifen.

Es gibt aber ein paar weitere Möglichkeiten, korrekt zu gendern und ein gutes Ranking zu erzielen.

Kann man SEO-gerecht gendern?

In den meisten Fällen musst du nicht auf geschlechtergerechte Sprache verzichten, um Google zu gefallen. Du musst nur wissen, wie du sie richtig einsetzt. Je nach Branche, Dienstleistung und persönlichem Fokus gibt es unterschiedliche Möglichkeiten.

Schreibe Leistungs- oder Produktorientiert

Angenommen, du besitzt einen Onlineshop. In der Regel liegt der Fokus dann auf deinen Produkten. Ganz egal ob in Kategorie- oder Produkttexten: Das gewählte Keyword wird sich auf die dort auftauchenden Waren beziehen. Wenn du also beispielsweise einen Text über Gartenscheren schreibst, steht genau dieses Produkt-Keyword im Fokus. Ob du um diese Informationen herum genderst und auf welche Weise ist für SEO eigentlich egal.

Viele Kunden entscheiden sich für diese Gartenschere ...

... bezieht sich ebenso auf dein Produkt wie ...

Viele Kund*innen entscheiden sich für diese Gartenschere.

Du kannst aber auch versuchen, deine Dienstleistung in den Fokus zu rücken und keine Personen. Die Alternative zu Grafikdesigner/Grafikdesignerin/Grafikdesigner*in könnte sein, ein Ranking zu Grafikdesign aufzubauen.

Auch bei Blogartikeln kannst du so arbeiten und ein Keyword auswählen, dass nicht Personenorientiert ist.

Männliche Form zusätzlich unterbringen

Beim oben genannten Beispiel der Texterin greift diese Herangehensweise nicht. Zwar kannst du auf deinen Dienstleistungsseiten so vorgehen, aber du möchtest dich ja auch unter deiner Berufsbezeichnung bei Google positionieren. Um auch über das viel gesuchte generische Maskulinum gefunden zu werden, kannst du diese Form im Title unterbringen. Kaum eine suchende Person wird enttäuscht sein, dass sie über Texter auf eine Website kommt, auf der die Sprache von Texterin/Texter*in ist. Auch ALT-Texte und Bildbeschreibungen kannst du auf diese Weise optimieren.

Du solltest hier ein wenig herumprobieren. Da Google Texter*in und Texter/in häufig als männliche Form wertet, könnte es sein, dass du so in Verbindung mit dem optimierten Title eine Chance hast, unter dem generischen Maskulinum gefunden wirst. Das ist aber natürlich sehr stark von deiner Branche, deiner Bezeichnung und deiner Konkurrenz abhängig.

Tipp: Gender-Lexikon
Wir empfehlen die Website geschickt.gendern.de hier findest du zu vielen Wörtern geschlechtsneutrale Formulierungen.

Gendern und SEO: Darauf solltest du achten!

Egal, ob du dich für oder gegen das Gendern entscheidest: Die Nutzererfahrung steht für Google immer im Vordergrund. Deshalb solltest du in jedem Fall einige Dinge beachten.

Schreibe einheitlich

Ein zu wildes Schriftbild kann zu Verwirrung führen. Achte darauf, dass die Nutzung von gegenderten Begriffen sinnvoll ist. Außerdem solltest du dich für eine einheitliche Lösung entscheiden, auf die du auf deiner gesamten Website zurückgreifst.

Vermeide einen Distanzaufbau

Grundsätzlich solltest du darauf achten, die Lesenden direkt anzusprechen. Vermeide bei dem Versuch, Wörter geschlechterneutral zu umschreiben, zu passive Konstruktionen. Ausschließlich neutrale Formulierungen im Überfluss können außerdem ein Gefühl der Distanz vermitteln – etwas, das du auf jeden Fall vermeiden solltest. Achte darauf, dass du trotz geschlechterinklusiver Sprache Emotionen transportieren kannst.

Lesefluss beachten

Texte, die sich nur holprig lesen lassen, kommen selten gut an. Sorge für einen geschmeidigen Lesefluss. Das geht am Besten, wenn du eine Gender-Möglichkeit für dich gefunden hast, mit der du dich selbst wohlfühlst. Was sich leicht schreiben lässt, lässt sie sich oft auch gut lesen.

Immer auch eine Frage der Zielgruppe

Besonders wichtig ist, dass du bei deinen Überlegungen im Sinne deiner Zielgruppe handelst. Denn genau diese möchtest du mit deinen Inhalten ansprechen. Wie sprechen Personen, die deine Website besuchen? Legen sie Wert aufs Gendern? Ist es ihnen egal? Gehören sie zu einer Generation, in der der Genderstern nicht gut angenommen wird?

Auch relevant: Screenreader haben mit einigen der geschlechtsneutralen Formulierungen Probleme. Wichtig ist das, wenn zu deiner Zielgruppe Menschen gehören, die nicht selbstständig lesen können und auf diese Technik angewiesen sind. In diesem Fall wäre es am besten die Paarform zu wählen oder entsprechende Lösungen der Umschreibung zu finden (Beispielsweise Team statt Mitarbeiter*innen).

Du kommst auf jeden Fall nicht darum herum, einen Bogen spannen müssen, um sowohl deiner Zielgruppe zu gefallen, als auch deinen eigenen Vorstellungen gerecht zu werden.

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